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Mineralien des ehemaligen Kohlebergwerks Maybach, Saarland

von Alexander Gehrlein, Sulzbach/Saar

Ein wenig Geschichte

Die Anfänge der Grube Maybach lassen sich bis in das Jahr 1873 zurückverfolgen. Damals förderte sie jedoch unter dem Namen "Grube Trenkelbach".
Auf den Namen "Grube Maybach" wurde sie im Jahre 1882 umgetauft. Ihr Namengeber war der damalige preussische Staatsminister Albert von Maybach, der von 1822 bis 1905 lebte.
Am 25.10.1930 ereignete sich eine schwere Schlagwetterexplosion, der 98 Kumpel zum Opfer fielen.
Im Jahre 1930 wurde die "Grube Helene" und 1935 die "Grube St.Ingbert" der "Grube Maybach" zugeteilt. 1948 kam es durch einen 860m langen Stollen zum Verbund der "Gruben Maybach und Mellin".
1964 erfolgte jedoch die Stillegung des Förderstandortes Maybach. Das Abbaufeld wurde der "Grube Reden" zugeteilt. Es fanden nur noch Materialtransport und Seilfahrt statt. Die Stillegung der Tagesanlage erfolgte schliesslich 1981. Das heute frisch aufgefahrene Material stammt da die Grube Maybach selbst keine Kohle mehr fördert aus dem Verbundwerk Ost ("Gruben Göttelborn und Reden") der "Saarbergwerke AG".

Geologie

Die aus dem Verbundwerk Ost geförderte Steinkohle stammt aus dem Saarkarbon. Das Saarkarbon selbst lässt sich grob in "Stefan" (oberste Stufe des oberen Karbons, selbst einteilbar in Stefan A, B, und C) und "Westfal" (die mittlere Stufe des oberen Karbons selbst einteilbar in A, B, C und D) unterteilen. Die Kohleflöze bildeten sich mit Beginn des Westfal C in riesigen Binnensenken im Anschluss an die Auffaltung des Variszischen Gebirges. Die Bildung dieser Flöze endete im Stefan. Die Hauptgesteine sind folglich Steinkohle, Tonschiefer, Sandsteine und Konglomerate (aus Kieseln und durch kalkige und kieselige Bindemittel verkittete Sedimentgesteine).
Das auf der Halde Maybach neu aufgefahrene Material entstammt sowohl dem Stefan als auch dem Westfal. Die "Berge" der alten Halden, die schon mit Birken bewachsen sind, (die beim Sammeln von Mineralien und Fossilien auf keinen Fall zerstört werden dürfen), stammen aus dem Westfal, da, wie sollte es anders sein, die "Grube Maybach" mitten im Westfal abbaute.
Hauptgesteinsarten: Steinkohlen, Tonschiefer, Sandsteine, Konglomerate

Mineralien

Sulfide

Der hier zu findende Pyrit bildet formenreiche Kristalle mit bis zu 10mm langen Kanten. Der Pyrit lässt sich in eigentlich jedem Gestein finden. Manchmal tritt er auch in Form pyritisierter Fossilien auf. Die häufigsten Kristallformen sind: Hexaeder und Oktaeder. Deren Kombinationen sind nicht so häufig, lassen sich jedoch ebenfalls finden. Mir gelangen auch schon Funde von nierig ausgebildetem Pyrit.


Der hier gefundene Markasit kommt nicht so oft wie der Pyrit vor. Das Eisensulfid, welches dem Pyrit rein chemisch ebenbürtig ist, im Gegensatz zu ihm allerdings keine kubischen sondern orthorhombische Kristalle bildet, findet sich vor allem mit Calcitkristallen auf einem hellgrauen, ins bräunliche gehenden Sandstein. Aber auch in kleinen Hohlräumen der Steinkohle, kann man fündig werden. Der Markasit bildet exzellent ausgebildete, goldgelbe, etwas tafelig erscheinende (rhombisch-dipyramidiale) Kristalle. Diese sind meist jedoch nie grösser als 4mm.

Der hier zu findende Chalkopyrit tritt seltener auf. Entweder ist er derb, oder bildet bis zu 5mm grosse, meist dunkel angelaufene Kristalle, die dann meist mit Pyrit und Calcit oder Siderit zu finden sind. Hübsche hochglänzende Zwillinge sitzen manchmal Dolomitrhomboedern, in Paragenese mit Hämatit, auf.

Sphalerit ist recht selten. Der grösste, nicht beste Fund, der mir gelang, war ein Kristall von 4mm Durchmesser, welcher ganz von Selenit (Gips) umgeben war. Beim Aufschlagen des von aussen auffälligen Stückes, teilte es sich leider genau senkrecht zum Kristall. Kleinere Kristalle bis 2mm Grösse, allerdings gut ausgebildet, sitzen manchmal auf Calcit. Sie sind durchscheinend und bräunlich. Allerdings gehört eine grosse Portion Glück zu solch einem Fund.

Bornit ist äusserst selten und kommt derb, in Dolomit eingesprengt vor. Dieser ist, wie später beschrieben im Sandstein des Rotliegenden zu suchen, welcher wiederum aus dem Stefan stammt.

Oxide

Der Bergkristall ist noch seltener als der Sphalerit. Mir gelangen bisher einige Funde, bei denen die Kristalle auf Siderit oder Calcit aufsassen. Die Kristalle können Grössen bis 30mm erreichen. Meist sind allerdings nur kleinere Kristalle als gut ausgebildete Doppelender zu finden.

Goethitkristalle sind im Vergleich zu Sphalerit oder Quarz relativ häufig anzutreffen. Die besten Fundmöglichkeiten bildet ein rötlicher Sandstein der meist von Dolomitgängen durchwachsen ist. In diesen Gängen ist der Goethit (3mm lange Kristalle) dann im Dolomit eingewachsen.

Hämatit tritt in Form dunkelroter bis eisenschwarzer, flachtafeliger Kristalle auf, die entweder einzeln, zu Sphärolithen zusammengewachsen oder sogar zu Eisenrosen, wie man sie aus alpinen Klüften kennt, ausgebildet sind. Die Einzelkristalle sind meist leicht durchscheinend. Den Dolomit, in dessen Klüften die Hämatite zu finden sind, muss man in dem bereits erwähntem rötlichen Sandstein suchen.

Carbonate

Der Calcit bildet schöne Skalenoeder und Rhomboeder mit Kristallgrössen bis 10mm. Auch Blättercalcit kommt vor. Wir finden den Calcit auf dem schon oben erwähnten hellgrauen Sandstein und auf Steinkohle. Die Skalenoeder sind milchigweiss, grauweiss oder weiss. Die Rhomboeder sind meist gelblichweiss, im Gegensatz zu den Dolomitkristallen durchscheinender. Mit dem Calcit treten folgende Mineralien auf: Pyrit, Markasit, Chalkopyrit, Sphalerit, Siderit, Dolomit und Selenit.

Sogar den Aragonit, der hier in Form von klaren pseudohexagonalen Kristallen bis 3mm Grösse (genauer gesagt in pseudohexagonal erscheinenden Drillingen) auftritt, darf man zu den hier zu findenden Mineralien zählen.

Dolomit tritt in Form von gelblichweissen Rhomboedern (bis 15mm) auf. Er lässt sich äusserlich jedoch nur schlecht von Calcit unterscheiden.

Malachit tritt zusammen mit Calkopyrit und Siderit als Neubildung auf den alten Halden der Maybach auf. Er bildet kleine Sphärolithen, die dem Chalkopyrit und dem Siderit meist einzeln aufsitzen. Auch kann man sehr kleine Kristalle finden.

Der Siderit, meist in Verbindung mit Sandstein, bildet bräunlichgelbe Rhomboeder und blättrige Kristalle. Die Kristallgrösse schwankt je nach Ausbildung zwischen 3mm (Rhomboeder) und 10mm (blättrige Kristalle, auch Disken genannt). Die Siderite von den alten Halden sind meist von einem hellbraunen Belag überzogen. Nach zweitägigem Bad in Seifenlauge lässt sich dieser jedoch mühelos entfernen. Auch der Glanz der Chalkopyrite lässt sich auf diese Weise wiederherstellen. Von der Verwendung von Salmiakgeist oder anderen Säuren ist dringlichst abzuraten, da der bereits erwähnte Malachit, als Folge von verwittertem Chalkopyrtit, durch die Säurebehandlung zerstört würde. Diese drei Mineralien sind in Paragenese oft auf den alten Halden anzutreffen.

Sulfate


Der Selenit ist meist derb. Allerdings treten, wenn auch äusserst selten, hin und wieder mal kleine, bis 2mm grosse transparente Kristalle auf. Besonders hübsch sind allerdings orange und weiss (in ihrer Schichtung) abwechselnde Fasergipse.

Baryt, der ebenfalls selten vorkommt, kann über 10mm grosse blättrige Kristalle bilden. Perfekt ausgebildete Kristalle, die dann jedoch wasserklar sind, erreichen diese Grösse bei weitem nicht. Der Baryt steht meistens in Paragenese mit Calcit und einem Sulfid.

Silikate


Dickit fand sich in kleinen, weissen Kristallen.

Zusammenfassend wurden bis 01/2003 vom Autor folgende Mineralien für diese Fundstelle bestimmt:
-Aragonit
-Baryt
-Bergkristall
-Bornit
-Calcit
-Chalkopyrit
-Dickit
-Dolomit
-Goethit
-Hämatit
-Malachit
-Markasit
-Pyrit
-Selenit
-Siderit
-Sphalerit

Häufig auftretende Paragenesen:
-Pyrit, Markasit, Calcit
-Chalkopyrit, Calcit
-Chalkopyrit, Siderit, Malachit
-Sphalerit, Calcit
-Sphalerit, Selenit
-Bergkristall, Siderit
-Goethit, Hämatit, Pyrit, Dolomit
-Baryt, Calcit

Wegbeschreibung

Von Saarbrücken, auf der A623 fahrend, nimmt man die Ausfahrt Sulzbach. Dann fährt man links und biegt, nachdem man eine Brücke unterquert hat, rechts ein. Nun fährt man auf der Grühlingsstrasse (einer alten Römerstrasse) gerade aus, über eine Kreuzung, und biegt hinter der zweiten Kirche links in die Hofstrasse ein. Die Halde liegt dann genau vor uns. Nun muss man sich nur noch eine geeignete Stelle zum Aufsteigen suchen.


Fundmöglichkeiten

Die Halde bietet heute sehr gute Fundchancen. Bei nur einem Besuch lassen sich mit etwas Glück fast alle Mineralien finden. Am schwierigsten zu finden sind Malachit und Aragonit. Die besten Chancen, gute Funde zu machen, bietet der neuere Teil der Halde. Das Material wird heute von riesigen Lkws dort abgeladen. Wenn das Material direkt von unter Tage kommt, ist es noch mit Schlamm bedeckt. Erst nach mehreren Regenfällen lassen sich in den ganz frischen "Bergen" Funde machen. Die alten, mit Bäumen bewachsenen Halden führen kaum Mineralien. Allerdings finden sich hier die besten Chalkopyrite und Malachite. Für Fossiliensammler (Fossilien meist im Tonschiefer) sind diese wegen der früher noch grösseren Tonschieferplatten besonders interessant. So wünsche ich viel Glück beim Sammeln und Glück Auf. Bedanken möchte ich mich besonders bei Herrn Dr.Gerhard Müller für die Bestimmung des Dickits und des Bornits.


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